55.000 Euro monatlich mit Gebrauchtmode-Arbitrage

Schon als Schülerin meldete sich die Texanerin Angelina Licari beim Second-Hand-Marktplatz Poshmark an, um den Inhalt ihres Kleiderschranks zu Geld zu machen. Einige Jahre und Entwicklungsschritte später kommt Angelina ganz ohne Mitarbeiter auf 60.000 US-Dollar (55.100 Euro) Monatsumsatz. Und hat noch viel vor.

Der Social-Commerce-Marktplatz Poshmark erfreut sich vor allem in den USA großer Beliebtheit. Auf der Plattform werden verschiedenste Gebrauchtprodukte von Elektronik bis Dekoration gehandelt. Ein absoluter Schwerpunkt liegt aber auf Second-Hand-Mode. Wie bei allen großen Marktplätzen gibt es auf Poshmark neben Privatverkäufern auch “Power-Seller”. Zu einem solchen hat sich die heute 23-jährige Angelina Licari entwickelt, wie sie im Gespräch mit Entrepreneur.com schildert.

Geschichte, Gründer, Angebot

Angelina Licari

Schon im Alter von 15 Jahren meldete sich Angelina bei Poshmark an, nachdem sie in einem Artikel darüber gelesen hat, dass Schüler ihr Taschengeld auf der Plattform mit dem Verkauf ihrer alten Kleidung aufbessern können. Nach dem Abschluss ihres Studiums im Jahr 2022 nahm sich die junge Frau vor, ihr Hobby – das Verkaufen gebrauchter Kleidung – zum Beruf zu machen. Inzwischen sind auf der Poshmark-Seite von Angelina Licari ganze 4.030 Angebote zu finden.

Umsätze, Aufwand und Team

Poshmark-Seite von Angelina Licari

Angelina Licari macht aktuell einen monatlichen Umsatz von 60.000 US-Dollar (55.100 Euro). Bei einer im Bereich Second Hand Mode realistischen Netto-Marge (nach Abzug der Marktplatzgebühr) von 30-50 Prozent dürfte Angelina aktuell mit 15-25.000 Euro Gewinn monatlich nach Hause gehen. In den letzten 12 Monaten hat sich der Umsatz – und damit mutmaßlich auch der Gewinn – nach Angaben von Angelina ungefähr verdoppelt. Tendenz: Weiter steigend.

Auch nach zwei Jahren Selbständigkeit macht Angelina Licari noch alles allein, die junge US-Amerikanerin hat keine Mitarbeiter. Ihre wesentlichen Aufgaben sind die Beschaffung neuer Produkte etwa über andere Second-Hand-Händler, die Einpflegung der Produkte bei Poshmark, die Promotion etwa über Live-Streaming-Formate und schlussendlich der Versand der Bestellungen (hier hat Angelina ein unterhaltsames Instagram-Video dazu gemacht). Der Job ist also alles andere als passiv.

Wachstum und Kundenherkunft

Der erste Schritt in die Selbständigkeit – und zur Professionalisierung – für Angelina Licari war ein Instagram-Account, wo die junge Frau die eigene zum Verkauf angebotene Kleidung näher vorstellte. Ein wesentlicher Wachstums-Booster war die Einführung von Poshmark Live Shows im Herbst 2022, wo Angelina fast ab dem ersten Tag dabei war und ihre Produkte im Rahmen einer Online-Verkaufssendung präsentierte.

Ein weiterer großer Schritt war der Sprung vom Verkauf eigener Mode zum Handel, sprich Einkauf und Verkauf gebrauchter Kleidungsstücke. Ein Schritt, der mit einigen schwarzhaften Erfahrungen verbunden war wie dem Kauf von Kleidungsstücken, die sich als beschädigt herausstellten.

Unsere Analyse

“Es gibt endlose Möglichkeiten, das zu erschaffen, was du dir vorstellst, selbst wenn es außer Reichweite erscheint”, rät Angelina Licari am Ende des Entrepreneur-Interviews anderen angehenden Gründerinnen und Gründern. Und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Die junge Frau hat innerhalb von nur zwei Jahren ihr Hobby zu einem durchaus profitablen Beruf gemacht und ist mit so viel Leidenschaft dabei, dass die sicherlich umfangreiche Arbeit ihr kein Kopfzerbrechen bereitet. Setzt sich das explosive Wachstum fort, wird Angelina der Workload nichts desto trotz über den eigenen Kopf wachsen. Die Auslagerung zeitraubender Tätigkeiten etwa im Bereich Logistik an eigene Mitarbeiter oder Dienstleister ist hier aber gut machbar.

Natürlich gibt es ein gewisses Plattform-Risiko, aktuell verkauft Angelina Licari nur auf Poshmark. Hier geht es ihr aber nicht anders als den meisten Amazon-Sellern, und im Bereich Gebrauchtmode gibt es zahlreiche Alternativen. Gerade für jemanden wie Angelina, die mit ihren Live-Shows ein eigenes Publikum gewinnen, an sich binden und im Zweifel auch auf andere Plattformen mitnehmen will.

In Deutschland ist Poshmark am ehesten vergleichbar mit dem Mädchenflohmarkt, der aber einige Hausnummern kleiner ist und entsprechend weniger Wachstum ermöglicht. Ohnehin geht es aber nicht um eine Duplizierung des Geschäftsmodells. Vielmehr ist die Geschichte von Angelina Licari ein Beispiel dafür, auf was für vielfältige Arten – und mithilfe was für scheinbar abseitigen Plattformen – sich ein Online-Business aufbauen lässt.

Johannes Haupt

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