13.000 Euro monatlich mit der Vermittlung flexibler Büros [Case Study]

Der englische Immobilienmakler Mike Gardener hat den Mega-Trend nach flexiblen Arbeitsmöglichkeiten zum Sprungbrett in seine Selbständigkeit genutzt. Mit seinem Online-Portal The Office Providers generiert Mike einen monatlichen Umsatz im fünfstelligen Bereich, bei sehr geringen Fixkosten.

120 Länder, 900 Städte, mehr als 3.000 verschiedene Locations – die Kennzahlen des britischen Büroflächenvermittlers  The Office Providers sind beeindruckend. Vor allem angesichts der Tatsache, dass der Gründer nur einen einzigen Mitarbeiter beschäftigt. Wie es Mike mit seinem Unternehmen so weit gebracht hat, hat er bei der Fachseite Starter Story im Gründerinterview verraten.

Geschichte, Gründer, Angebot

Mike Gardener

Mike Gardener ist ein ausgebildeter Immobilienmakler und war schon vor der Gründung von The Office Providers auf Bürovermietungen spezialisiert. Die Idee für sein Unternehmen entstand, als Mike einen starken Wachstumstrend im Markt für flexible Büroflächen bemerkte. In Metropolen wie London vervielfachte sich die Zahl der Anbieter und Nutzer solcher flexibler Bürokonzepte, unter anderem als Folge der Finanzkrise 2008.

Mike bemerkte, dass viele Anbieter flexibler Büroflächen eine starke Online-Präsenz haben und dort auch nachgefragt werden. Deshalb entschied er sich eine B2B-Online-Plattform zu schaffen, die Unternehmen aller Größen bei der Suche nach dem perfekten Arbeitsplatz unterstützt. Die Expertise dafür schöpfte er aus seinem fundierten Fachwissen und seinen beruflichen Vorkenntnissen im Immobiliensektor.

Das Besondere an The Office Providers ist, dass das Angebot für die suchenden Unternehmen komplett kostenfrei ist. Die Plattform finanziert sich ausschließlich durch Gebühren, die von den Vermietern der Büroflächen entrichtet werden.

Heute bietet The Office Providers eine Vielzahl von flexiblen Arbeitsbereichen an, darunter voll ausgestattete Büros, Coworking-Plätze und Teilzeitbüros. Alle Arbeitsbereiche werden mit kurzfristigen Verträgen angeboten. Dadurch können Mieter stets flexibel ihre Raumbedürfnisse anpassen.

Die Mieter von flexiblen Büroflächen müssen monatlich in der Regel nur eine Rechnung begleichen, die sämtliche Kostenfaktoren beinhaltet. Genannt seien Miete, Gebäudeversicherung, Ausstattung, Reinigungsdienste, Möbel und Rezeptionsdienste.

Umsätze, Aufwand und Team

Trotz der globalen wirtschaftlichen Unsicherheit der letzten Jahre erwirtschaftet The Office Providers aktuell einen Umsatz von rund 14.000 US-Dollar pro Monat (13.000 Euro). Mike Gardener vermutet, dass der Trend bei vielen Unternehmen weiter in die Richtung der flexiblen Arbeitsbereiche geht. Deshalb rechnet er langfristig mit steigenden Umsatzzahlen.

Aktuell beschäftigt Mike einen Mitarbeiter. Weitere Mitarbeiter will er erst fest anstellen, wenn sich die wirtschaftliche Lage wieder stabilisiert hat. Die Content-Produktion ist weitgehend an Freelancer ausgelagert.

Wachstum und Kundenherkunft

Mike arbeitete in den ersten 18 Monate nach der Gründung ausschließlich an The Office Providers. Mit der Hilfe von zwei Freunden, die ihn jeweils bei technischen und gestalterischen Aspekten unterstützten, entwickelte Mike dann die Website für sein Unternehmen.

Dieser Prozess dauerte etwa sechs Monate und kostete den Unternehmer knapp 2.000 US-Dollar. Die Website spielt heute eine entscheidende Rolle für die Kundenakquise von The Office Providers.

Mike legt großen Wert auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO) seiner Website, um Sichtbarkeit und Auffindbarkeit zu verbessern. Das war dem Unternehmer vor allem am Anfang sehr wichtig, da er damals noch keinen Gebrauch von bezahlter Werbung gemacht hat.

Von Beginn an standen bei der Website Calls-to-Actions und Vertrauen schaffende Elemente wie Telefonnummern und Kontaktdaten im Zentrum. Außerdem hat Mike Gastbeiträge auf branchenbezogenen Websites verfasst, das Unternehmen auf Kartendienste wie Google Maps platziert und Konten bei virtuellen Immobilienbesichtigungsunternehmen eingerichtet.

Zusätzlich erstellte Mike ein Verzeichnis, in dem alle Anbieter von Büro- und Arbeitsräumen im Vereinigten Königreich aufgeführt sind. Damit wollte er Auffindbarkeit der Anbieter auf seiner Seite verbessern, sobald der Markt wieder anzieht. Für New York und einige europäische Städte tat er das Gleiche.

Auf Grundlage dieser Verzeichnisse veröffentliche Mike zudem zwei Bücher sowie einen eigenen Podcast. Um bereits bestehende Kunden zu binden und den Kontakt zu ihnen aufrechtzuerhalten, verfolgt der Gründer außerdem eine E-Mail-Marketing-Strategie. Regelmäßig informiert er seine Kunden auf diesem Weg über aktuelle Entwicklungen in der Branche.

Tools und Techniken

Die Website von The Office Providers basiert auf WordPress. Mike hat mithilfe vom Nocode-Tool Landbot einen integrierten Chatbot erstellt. Seit einigen Jahren ist The Office Providers auch als Web-App verfügbar, wofür er den App-Builder Beezer einsetzt.

Das Unternehmen bespielt die meisten gängigen Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter, TikTok und Google My Business. Mikes Favorit ist Instagram, da er dort seine Geschichten am besten visuell veranschaulichen kann.

Den visuellen Content für die Plattformen erstellt Mike mit Canva und Adobe. Dabei werden die gleichen Inhalte für die verschiedenen Netzwerke umgearbeiten, um möglichst effizient zu arbeiten. Beim E-Mail-Marketing benutzt der Gründer Constant Contact, zur Überprüfung von Grammatik und Rechtschreibung das Online-Tool Grammarly. Zudem empfiehlt er E.ggTimer, eine Online-Eieruhr zur Optimierung von Produktivität und Zeitmanagement.

Unsere Analyse

Immobilien sind ein wesentlicher Kostenfaktor für Unternehmen und gleichzeitig immer noch fast eine universelle Notwendigkeit. Im Verbund mit der Fragmentierung des Anbietermarktes bei flexiblen Lösungen – neben Dickschiffen wie Regus und WeWork gibt es unzählige lokale und regionale Büroanbieter – ergeben sich spannende Marktchancen für Vermittler.

Mike Gardener versucht seine Offline-Expertise mit einem Aggregationsmodell zu verbinden. Hier stellt sich die Frage, ob nicht weniger mehr wäre und wirklich Angebote aus 120 Ländern gelistet werden müssen. Gerade bei einer so schlanken Organisation.

In einem großen Markt wie dem für flexible Büros könnte mit einem lokalen Schwerpunkt auf England oder vielleicht sogar auf einzelne Großstädte (London abwärts) und eine entsprechend hochwertigen und umfassenden Präsentation des dortigen Angebots vielleicht sogar besseres Geld verdient werden. Auf dem Instagram-Kanal von The Office Providers geht es auch schon in die Richtung, nahezu alle Inhalte sind londonspezifisch. Was die Sinnhaftigkeit einer globalen Ansprache noch mehr fraglich macht.

Der Lead-Gen-Platzhirsch All Office Centers ist zwar auch in mehr als 40 Ländern präsent, gibt dort dann aber auch Vollgas, wie hierzulande nicht zuletzt die spamartigen Listings bei Immobilienscout24 & Co illustrieren.

The Office Providers gibt es hingegen nur in englischer Sprache, und das Angebot auf einigen Unterseiten ist eher trist. Für Köln gibt es zum Beispiel nur die vier Regus-Locations (in den Anzeigen ist der Name natürlich verschleiert), keinerlei lokale Anbieter. Für mehr Informationen – sprich zur Lead-Vermittlung, womit The Office Providers ihr Geld verdient – sind Kontaktdaten in einem altertümlichen Formular zu hinterlassen.

Das geht schicker, moderner und sicherlich auch conversionsstärker. Andererseits ist Erfolg keine Frage der Optik, wie Plattformen wie Craigslist seit 30 Jahren beweisen.

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